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Zentrum

Zentrum für GegenwartsKunst

 

ZIELE und METHODEN:

Das Zentrum für GegenwartsKunst widmet sich konkreten Frage- und Problemstellungen, die sich aus den Kultur, Künsten und Kunstwissenschaften der Gegenwart ergeben, und die leitend für gesellschaftliche Entwicklungen – in ihrer gegenwärtigen Konstellation wie auch in der historischen Genese – sind, um das Potenzial der Künste in den Kontexten der Gegenwart zu erörtern. Innovative interdisziplinäre Forschung und Zusammenarbeit der Fächer werden unter der Akzentuierung der Gegenwartskunst und -theorie ermöglicht. Damit wird es einerseits möglich, wichtige Fragen der Kultur der Gegenwart in historischer und systematischer Perspektive unter Heranziehung aller das Wissen um Gegenwart konstituierenden Disziplinen zu vereinen und andererseits gelingt es, die Künste aus dem für diese Zusammenhänge nach wie vor passiven Zustand als rein reflexives Medium zu lösen und die kreativen und problemorientierten Potentiale der Künste selbst zu erfassen. Dazu erarbeitet das Zentrum explizit Grundlangenforschung mit der dezidierten Inklusion von Künstler/Innen. Aufbauend darauf werden in den ersten Jahren sechs (6) Schwerpunkte historisch, systematisch und methodologisch einen Gesamtzusammenhang mit unterschiedlichen inhaltlichen Akzentsetzungen (siehe unten) erarbeiten. Mit dem Zentrum für GegenwartsKunst etabliert die Karl-Franzens-Universität eine besondere Möglichkeit der Forschung, nämlich sich selbst als Akteur von Wissenschaft und Forschung zu beobachten. Damit werden Methoden, Theorien und Blickwinkel nicht als gegeben vorausgesetzt, sondern ermöglichen eine Beobachtung und Validierung der eigenen Praxis.

 

Forschung

Das Zentrum für GegenwartsKunst arbeitet explizit aus der Perspektive

  1. Der Grundlagenforschung die aus den Künsten und Kunstwissenschaften heraus erarbeitet und in interdisziplinäre und internationale Arbeitszusammenhänge überführt wird. Insofern orientiert sich die Auswahl der Themen für das Zentrum nicht am Prinzip thematischer Kohärenz im Rahmen fachwissenschaftlicher Fragestellungen. Vielmehr geht es darum, die aktivsten und interessantesten Konstellationen und Zonen des Austausches zu erkunden. Die Tatsache, dass disziplinübergreifende Vorhaben zumeist in der wenig befriedigenden Form einer additiven Interdisziplinarität, d.h. einer Aneinanderreihung verschiedener fachwissenschaftlicher Perspektiven auf ein Thema, stecken bleiben, erklärt sich daraus, dass sie sich überwiegend an einem Gegenstand ausrichten. Die Definition von Disziplinen über den Gegenstand ist aber charakteristisch für Abgrenzungen zwischen den Fachwissenschaften, die Kunstwissenschaftler wie etwa Walter Benjamin, Aby Warburg u.a. nicht müde wurden, polemisch als Gebietscharakter oder Grenzwächterei zu kritisieren. Dagegen eröffnet die Aufmerksamkeit auf Erkenntnisweisen und Methoden, auf Techniken und Material und Medien, auf Objekte und Praktiken, auf Wissensfiguren und Metaphern eine Fokussierung auf jene Aspekte, über die unterschiedliche Disziplinen und Wissenskulturen immer schon im Austausch stehen. Insofern scheint es für die Ziele des Zentrums angemessener, sich nicht über Gegenstände zu formieren, sondern entlang vorhandener Korrespondenzen. Es geht darum, verstreute und latente Verknüpfungen in die Form systematischen und manifesten Austausches zu überführen, d.h. vorhandene Korrespondenzen (im Benjaminschen Sinne) und Dialoge praktisch zu verknüpfen und weiterzuentwickeln.
  2. Während es in den USA durchaus üblich ist, dass Künstler/Innen als Forschende und Lehrende in den Universitätsbetrieb integriert sind und zwar nicht nur in den Humanities, z.B. in Art und Literature Departments, sondern auch in einigen Science Departments oder Forschungsinstituten, wie etwa dem CalTech (California Institute of Technology) oder dem MIT (Massachusetts Institute of Technology) sind im deutschsprachigen Europa Künstler/Innen allenfalls in Kunsthochschulen tätig, d.h. als praxiserfahrene Experten der Künste. Da aber Künstler/Innen sich ebenso wie andere Spezialisten mit bestimmten Themen, technischen und medialen Problemstellungen, kulturellen oder politischen Fragen beschäftigen, eben aber aus dem Bereich der Kunst, bleibt die Aufnahme ihrer themenbezogenen Beiträge der individuellen Rezeption überlassen. Um einen systematischen, themenzentrierten Austausch mit Wissenschaftlern zu organisieren, müssen also Formen der Kooperation erprobt werden, in denen diese nicht dem Zufall oder punktuellen Begegnungen bei Veranstaltungen überlassen werden. Im Zentrum für Gegenwartskunst agieren interdisziplinär zusammengesetzte Projektgruppen unter Einschluss von Künstlern/Innen zu aktuellen Fragestellungen bezogen jeweils auf ein konkretes Jahres Thema.

 

Lehre

Die Ergebnisse der an Grundlagenforschung orientierten, interdisziplinären Zusammenarbeit der Beteiligten werden sodann mit innovativen Lehransätzen und –methoden in einem zweiten Schritt in die Lehre einfließen. Explizit dient das Zentrum der – notwendigen – Spezialisierung der Studierenden im Master und vor allem auch in der Doktoratsausbildung. Dies geschieht durch international vernetzte, spezialisierte, forschungsgeleitete Lehre, mit der das Institut für Kunstgeschichte der Universität Graz kompensiert wird, sondern vor allem, um den Wissenschaftsstandort Graz mit dieser signifikanten Akzentuierung des Zentrums auf Gegenwartskunst und –kultur und im Konzert mit der Schwerpunktsetzung des Instituts für Kunstgeschichte auf Moderne und Gegenwart zu einem ‚Leuchtturm’ nicht nur in Österreich, sondern in Europa und international zunächst für Nordamerika zu etablieren. Genau dies gelingt durch die Akzentuierung von Jahresthemen, zu denen arrivierte Persönlichkeiten nach Graz geladen werden.

Damit gelingt es in Zusammenarbeit mit anderen Zentren der Universität Graz und einigen Instituten ein spezialisiertes Lehrangebot anzubieten, das gleichzeitig signifikant die Internationalisierung der Lehre befördert.

 

SCHWERPUNKTSETZUNGEN

 

1. Die Idee Europa

Die Geschichte der Entstehung Europas folgt einem Mythos: Europa, die Tochter des phönizischen Königs Agenor wird von Zeus – der in Gestalt eines weißen Stiers erscheint – geraubt und von Phönizien nach Kreta gebracht. Der Kontinent Europa ist also geschichtlich gesehen immer schon eine nomadische Figur: Europa ist Heimat für andere, verkörpert selbst aber den Bruch mit ihrer Herkunft. Europa begleitet also eine Grundspannung, die in eine – immer wieder zeitgenössische – politische Vision umgedeutet werden kann, denn der Kontinent Europa folgt keinem Zwang der Geografie, sondern vielmehr dem pseudogeografischen, kulturellen, politischen und sozialen Zusammenschluss der Völker.  

Dieser Kontext zeigt sich für das Land Österreich mit seiner die Idee Europas prägenden Geschichte von besonderer Relevanz. Dieser Begründungszusammenhang ebenso wie die gegenwärtige politische, soziale, rechtliche und kulturelle Situation Europas und die Positionierung Europas im globalen Zusammenhang finden in  den Künsten der Gegenwart besondere Aufmerksamkeit. In der Kunstgeschichtsschreibung wird dieser Tatbestand durch eine kritische Kunstwissenschaft fachimmanent diskutiert und der markante Eurozentrismus der Kunstgeschichtsschreibung einer kritischen Bestandsaufnahme unterzogen.

 

2. Die Vorstellung von Amerika

Der Kontinent Amerika steht in enger Verbindung zu Europa. Nicht umsonst gilt nach wie vor die Rede ‘The Old World‘ und ‘The New World‘, die Distinktionen zwischen diesen Kontinenten ebenso markiert, wie diese Rede Verbindungslinien aufrechterhält. Für die Künste ist explizit Nordamerika für das 20. Jahrhundert von grundlegender Bedeutung, wie sich etwa an Serge Guiltbault‘s Publikation mit dem signifikanten Titel How New York has Stolen the Idea of Modern Art from Paris ablesen lässt, mit dem der Wechsel von Europa (explizit Paris) als Zentrum der künstlerischen und kulturellen Moderne nach NYC proklamiert und manifestiert wurde. Vorstellungen von Moderne und Modernität sind mit dem 20. Jahrhundert in den Künsten durch diesen Transfer determiniert. In diesen Vorstellungen sind jedoch explizite Gründungsmythen enthalten, die den Eurozentrismus der Kunstgeschichtsschreibung genauso weiterführen, wie die Dominanz Nordamerikas unhinterfragt übernommen wird.

Als ‚Einwanderungsland‘ sind zudem Vorstellungen etwa von Identität oder Nation im Gegensatz zu Europa divergent und die soziale, kulturelle, ökonomische und rechtliche Sicht auf innerkontinentale Konflikte bezogen. Genau aus diesen Zusammenhängen heraus haben sich dann etwa die Critical Race Studies etabliert, die auch in den Künsten von zentraler Bedeutung sind, bzw. durch die Künste eine konkrete Ausformung finden.

 

3. Hello World Globale Kunst und Kunstgeschichtsschreibung

Die documenta in Kassel und die Biennalen dieser Welt zeigen deutlich, dass Kunst schon lange nicht mehr aus europäischer und/oder nordamerikanischer Perspektive allein gedacht werden kann. Und eine Kunstgeschichte, die sich ihrer eigenen Relevanz und Bedeutung für die Erzeugung von Kultur bewusst ist, kann kaum diese Entwicklungen nicht zur Kenntnis nehmen, bzw. sie lediglich aus europäischem Blickwinkel heraus betrachten. Eher schon soll es um eine methodische Reflexion des europäischen Kunstbegriffs im Horizont des Globalen gehen sowie die Thematisierung eines Kunstgeschehens, das seinen Schwerpunkt immer deutlicher in einen Bereich verschiebt, der mit der westlichen Welt nicht mehr identisch ist.

 

4. Meta - Metamodern - Metaart

Die Forschungen nehmen Robert Rauschenbergs hybride Objekte – weder Malerei, noch Skulptur, noch Tanz zu sein - zum Ausgangspunkt und analysieren Kunstwerke, die keiner Gattung, keinem Medium, keinem Material mehr zuzuordnen sind, bzw. sich diesen Einteilungen und Zuschreibungen bewusst entziehen. Sie sind also weder trans- noch intermedial, sondern überschreiten vielmehr diese Grenzziehungen und unterlaufen damit traditionelle Abgrenzungsphänomene. Das heißt, es geht in den Analysen um Kunstwerke, die sich mit den klassischen Analysemethoden nicht fassen lassen, weil sie an sich ‘über’ den konventionalisierten Zuschreibungen liegen. Die Forschungen dieses Schwerpunkts analysieren diese Formen des ‚combines‘ in Zusammenhang mit der Beschreibung der Gegenwart als Metamoderne. Anstelle der Gattungen treten Räumlichkeit, Bewegung, Verkörperung, Medien und ästhetische Praktiken.

Dies Forschungen werden in einem weiteren Schritt in Zusammenhang gebracht mit Analysen zu gegenwärtiger Gesellschaft, um die zunehmende Komplexität der Welt und ihrer Problemhorizonte nicht nur zu erkennen, sondern diesen vielmehr angemessen begegnen, sie zu untersuchen und somit sodann auch konkrete Lösungsansätze mit gesellschaftlicher Relevanz aus den Wissenschaften und Künsten heraus zur Verfügung stellen zu können.

 

5. Alternativen Beschreibungen der Moderne und Gegenwart, ihrer Geschichte und ihres Selbstverständnisses

Geschichtlich wird unter Moderne für das Zentrum für Gegenwart (in Entsprechung zur Lehre und Forschung der Professur für Moderne am Institut für Kunstgeschichte) die Zeit ab um 1780 bis in die Gegenwart verstanden, wobei die Zeit um 1850 im Sinne des Baudelaire‘schen Paradigmas des Modernen Lebens akzentuiert wird. In der historischen Analyse der Moderne liegt ein Schwerpunkt auf der Lehre der Epochenschwellen (Klinger), die die Moderne bis zur Gegenwart auszeichnen und die Kaskaden der Modernisierung (Gumbrecht) begründen.

Diese Orientierung bedingt überhaupt erst die kritische Sichtung der ästhetischen Kategorie des Modernen wie auch des Zeitgenössischen in der Kunst. Methodisch ist sowohl eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Fachdisziplin von Bedeutung als auch die Thematisierung der diversen historischen, theoretischen und künstlerischen Erneuerungen Faches. Damit einher geht eine veränderte Vorstellung von Theorie. Denn in historischer Parallelität wird auch diese Moderne seit dem Ende des 18. Jahrhunderts als Inbegriff von Erkenntnisbemühungen um solche Gegenstände, die mit den überlieferten Beobachtungsrastern und Analysekategorien nicht mehr zu erfassen sind und deshalb neue Sicht- und Zugangsweisen fordern (zu denken ist etwa an A.G. Baumgarten 1750 begründete Disziplin der philosophischen Ästhetik, als auch neue Formen ästhetischer Theoriebildung). In dieser Perspektive werden die diskursiven Verschiebungen und die historischen Erfahrungen untersucht, die verschiedene Formen und Funktionen von Theorie der und über Kunst in Konkurrenz untereinander, aber auch in Abgrenzung zu anderen akademischen Fächern wie etwa Philosophie, der Kulturwissenschaft, der Bildwissenschaft etc. bestimmen. Diese historische Perspektive auf Theorie darf sich aber in den Routinen der Historisierung nicht erschöpfen, sondern muss als Problem und eigene theoretische Aufgabe wahrgenommen werden.

 

Universitäre Verortung

Das Zentrum ist an der Universität Graz an der 7. Fakultät angesiedelt.

 

Zentrumsleitung

Univ.-Prof. Dr.phil.

Sabine Flach


Sekretariat

Mag.

Ursula Winkler

Telefon:+43 316 380 - 2401

Kontakt

Zentrum für GegenwartsKunst

Universitätsplatz 3/II. Stock, 8010 Graz

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