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Eco Criticism und die Wissenschaftsgeschichte der Kunst und Kunstgeschichte

Dieser Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit den global sehr aktuellen Themen der Gegenwart im Hinblick auf politische Verantwortung und politisches Handeln im Kontext von Umwelt mit dem Fokus auf politische Verantwortung, Ökologie, Umweltgerechtigkeit, Anthropozän, Klimawandel, Ressourcen und Nachhaltigkeit. Damit nimmt dieser Schwerpunkt explizit Bezug auf das langjährige, internationale Projekt Naturally Hypernatural, das sich in unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkten mit unterschiedlichen Konzepten von Natur und Umwelt in der Moderne und Gegenwartskunst und -kultur auseinandersetzen.

Aktuelle Tendenzen der Gegenwartskunst künden seit einiger Zeit von einer „Wiederentdeckung“ der Natur und ihrer Bedeutung für die Kunst. In der Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen geht es zum einen darum, die ihnen zugrunde liegenden Konzepte von Natur aufzuzeigen. Wo liegen ihre historischen Wurzeln, wie haben sich Verhaltensweisen und Wahrnehmungsmuster über die Epochen hinweg entwickelt und welchen Anteil an diesen Naturkonzepten hat die Kunst? Wie lässt sich das Verhältnis von Artifizialität und Natürlichkeit im Sinne einer Ästhetik der Natur fassen? Zum anderen geht es darum sich mit den Vorzeichen einer „Phänomenologie der Natur“ und mit dem sinnlichen Zugang zur Natur zu beschäftigen. Dabei soll der anthropozentrische Ansatz, wie ihn beispielsweise Hartmut Böhme vertritt, im Sinne einer „biologischen Phänomenologie“ erweitert werden. Dementsprechend wird nicht mehr zwischen einem beobachteten
(Natur-)Phänomen und dem Beobachter unterschieden, sondern beide als Teil eines Gesamtprozesses verstanden. Der Prozess der Wahrnehmung kann ebenso wenig vom ‚wie‘ der Wahrnehmung getrennt werden, wie von der Struktur des Wahrgenommenen, deren Teil der Wahrnehmende selbst ist.

Die Forschung beschäftigt sich auch mit dem Thema des Eco Criticism und wie dieser in der Gegenwartskunst angewendet und umgesetzt, sowie in der Kunstgeschichtsschreibung behandelt wird. Im Sinne der Interdisziplinarität kann hierbei in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen verschiedenster Disziplinen gemeinsam mit Künstler:innen an diesen Themen gearbeitet werden. Kunst kann hierbei eine bedeutende Vermittlerrolle einnehmen, beziehungsweise Sichtweisen zur Aufklärung und Aufmerksamkeit eröffnen. Es werden dabei ökologische Aspekte der Gesellschaft und Gegenwart sowie das Anthropozän untersucht und erforscht.

Der Schwerpunkt widmet sich auch einer Wissensgeschichte der Künste mit Blick sowohl auf die Genese ihrer Episteme und Methoden als auch dem direkten Austausch und Transfer zwischen Künsten und anderen Wissenssystemen. Da der Schwerpunkt das spezifische Wissen der Künste adressiert, wird nicht nur über künstlerische Verfahren, Medien und Techniken und das mit ihnen verbundene Wissen, sondern – jeweils zu konkreten Themenstellungen – auch immer wieder direkt mit Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Kurator:innen gearbeitet, durchaus mit dem Ziel, die entstehenden Austauschprozesse in statu nascendi beobachten und analysieren zu können, um eine methodologische und systematische Geschichte der künstlerischen Praxis und Theorie sowie des künstlerischen Wissens der Gegenwart zu erarbeiten.

Wie schon Wittgenstein feststellte, haben auch die Künste etwas zu lehren, woraus zu schließen ist, dass Kunst auch Wissen beinhalten muss. Daraus ergibt sich die Frage, wie von Kunst als spezifischer Wissensproduktion gesprochen werden kann? Darüber hinaus steht Kunst als Wissensproduktion im Mittelpunkt einer laufenden Auseinandersetzung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften hinsichtlich ihrer Fähigkeiten und Relevanz für die Organisation von Wissen, Kultur und Leben. Diese Debatte entpuppt sich als ein Wettbewerb darüber, wer die bessere Position bei der Klärung dessen hat, was wir wissen, warum wir es wissen, wo diese Wissensproduktion stattfindet und wie sie beschreibbar ist.

Wichtige methodische Zugänge, welche die Fragen der Wissensproduktion in der Kunst beschreiben, entwickeln sich aus neuen Ansätzen, die sich in den Arbeiten von Alva Noë und Graham Harman finden lassen. Noës Ansatz kombiniert philosophische Forschung und Kunst, um „strange tools“ zu entwickeln - neue Methoden, Techniken und Verbreitungsstrukturen, die die Wissensproduktion in den Künsten erfassen würden. Die Künste sind für Graham Harmans Arbeit von wesentlicher Bedeutung, da diese Objektontologien Wissen außerhalb des wissenschaftlichen Paradigmas bilden.

Die Prozesse und Produkte künstlerischer Bemühungen werden als eine Art Untersuchung verstanden, die das Wissen der Gesellschaft erheblich prägt. Diese Änderung des Status der Kunst von einer deskriptiveren, ästhetisierenden Aktivität zu einer analytischen, experimentellen Untersuchung, zeigt sich insbesondere in Technologien und Forschungszweigen, die derzeit stark diskutiert werden. Kunstwerke werden heute als Laborexperiment oder Untersuchungen des Zustandes und der Verantwortung eines Subjekts verstanden, für das die künstlerischen Arbeiten zu Systemen der Erfahrungen und Selbstbeobachtungen werden. Kunstwerke als solche werden daher als Wahrnehmungsmodelle angesehen, in denen die künstlerische Absicht die spezifischen Bedingungen zwischen einem Individuum und der ihm umgebenden Situation untersucht.

Der Schwerpunkt fokussiert sich auch auf ausgewählte Momente in der Geschichte der Wissensproduktion in den Künsten. Hierzu zählt die Untersuchung des Wissenstransfers zwischen Kunst und Wissensproduktion ab der Mitte des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der parallelen Entwicklung der Medientechnologien. Ein besonderer Fokus liegt hier in der Forschung zu CalArts und dem Black Mountain College. Konkret wird die historische Bedeutung des Black Mountain College und des CalArts in der Wissensproduktion der Künste untersucht.

Zentrumsleitung

Univ.-Prof. Dr.phil.

Sabine Flach


Sekretariat

Mag.

Ursula Winkler

Telefon:+43 316 380 - 2965

Kontakt

Zentrum für GegenwartsKunst

Harrachgasse 34, 1.OG, 8010 Graz

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